24. April 2016

Fashion Revolution Day, die Frage "Who made my clothes"
& ein Zwischenfazit zu meiner Stoffdiät

Heute jährt sich bereits zum 3. Mal das Unglück von Rana Plaza, bei dem 1.134 Menschen getötet und mehr als 2.500 verletzt wurden. Seitdem wird jedes Jahr am 24. April die Frage laut "Who made my clothes". Ich finde es gut, dass sich zumindest einmal im Jahr viel mehr Menschen als sonst mit diesem Thema beschäftigen und es auch viel in den sozialen Medien diskutiert wird. Allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sich in den vergangenen 3 Jahren viel getan hat. Geschweige denn, dass ein Umdenken in Bezug auf Konsum und Fast Fashion stattgefunden hätte. Diejenigen, unter uns, die sich einen (Groß-)Teil ihrer Kleidung selber nähen, sind da meist ja schon einen Schritt weiter. Schließlich wissen wir, wieviele Nähschritte und Zeit in einem einzigen Kleidungsstück stecken. Da merkt man einfach schnell, dass bei Jeans für 10€ und Oberteilen für 3€ irgendetwas nicht stimmen kann und wohl jemand anderes für diese günstigen Preise draufzahlen muss. Sasha von Secondo Piana hat einen interessanten Post anlässlich des Fashion Revolution Days geschrieben und die Gedanken vieler Nähblogger weltweit gesammelt, unter anderem von mir. Ich habe mich wirklich gefreut zwischen so vielen tollen Bloggern vertreten zu sein.  

Exactly 3 years ago today the Rana Plaza building collapsed and killed 1,134 people and injured more than 2,500. Ever since then the question "who made my clothes" gets increasingly louder every year on the 24th of April. I'm happy that more people are developing a deeper interest in this topic at least once a year and that it gets talked about a lot in social media. However, not much seems to have changed during the last 3 years. Until now, we seem to be quite far from a general rethinking of our consumption as well as fast fashion. Those of us that are sewing most of our clothing ourselves, are usually already one step further. After all, we know how many steps and how much time it takes to sew a single piece of clothing. With this knowledge, it becomes clear that there is something wrong with jeans for 10€ and tops for 3€ and that somebody else has to pay for these cheap prices. On the occassion of the Fashion Revolution Day, Sasha of the blog Secondo Piano has written a very interesting post about this topic and collected the thoughts of many sewing bloggers all around the world. Even from me and I'm really honoured to be a part of this among so many great bloggers.

Auch wenn ich schon seit Jahren immer weniger Kleidung gekauft habe, hat sich dieser Konsum leider vermehrt in Richtung Stoffe verschoben. Diese haben sich dann immer mehr in meinem Stoffschrank angesammelt, denn so schnell, wie ich sie gekauft habe, konnte ich sie nicht vernähen. Verrückt eigentlich, da achtet man bei Kleidung darauf, wo sie herkommt und bei Stoffen greift man ohne Bedenken zu, obwohl man über Stoffe sogar noch sehr viel weniger weiß. Crafteln hat diese Woche einen sehr guten Post zu genau diesem Widerspruch geschrieben. Bei Kleidung ist ja zumindest das Herstellungsland bekannt. Bei Stoffen neben dem Material rein gar nichts. Deshalb habe ich Anfang des Jahres die Bremse gezogen und mir eine Stoffdiät verordnet. Nach knapp 4 Monaten ist es jetzt mal an der Zeit ein erstes Fazit zu ziehen. Und ich muss sagen, es geht mir erstaunlich gut damit keinen Stoff zu kaufen und ich vermisse es auch nicht. Schließlich habe ich ja auch noch einiges an Stoffen in meinem Vorrat, was vernäht werden muss. Wenn ich jetzt nicht den perfekten Stoff für eine Idee in meinem Vorrat habe, empfinde ich es sogar als willkommene Herausforderung, kreativ zu werden und diese auf andere Art umzusetzen. Außerdem habe ich jetzt schon gemerkt, dass ich vor allem unifarbene Stoffe vernähe, dabei habe ich in der Vergangenheit vor allem bei gemusterten Stoffen nicht Nein-sagen können. Klarer Fall von fehlgeleitetem Kaufverhalten ;) Darauf werde ich nach meiner Stoffdiät auf jeden Fall mehr achten. Auch habe ich mir Gedanken gemacht, wie mein Stoffeinkauf in Zukunft aussehen wird. Ich werde auf jeden Fall versuchen vor allem gebrauchte Stoffe zu kaufen, schließlich findet sich da bei ebay, Kleinanzeigen & Co. eine große Auswahl. Als Alternative bleiben biofaire Stoffe, bei denen es sich meist aber um typische Standardstoffe handelt. So ähnlich halte ich es bereits seit Anfang des Jahres mit Kleidung und auch das funktioniert erstaunlich gut. Bis jetzt habe ich nur Second Hand Kleidung gekauft, da ich demnächst aber neue Basic T-Shirts brauche, werde ich wohl bei Hess Natur fündig werden, denn dieses Top hat mich absolut von deren Qualität überzeugt. Schön dick, bleicht nicht aus und der Preis macht sich mehr als bezahlt, wenn man überlegt, wie schnell günstige Oberteile ausbleichen, sich verziehen oder Löcher haben. Und nein, ich werde nicht dafür bezahlt, sondern war einfach nur von der Qualität positiv überrascht.

Even though, I have bought less and less clothing during the last couple of years, this consumption has shifted increasingly to fabrics. These have collected dust in my fabric stash as I could not sew them as fast as I was buying them. Kind of crazy actually as we take care where our clothing comes from but we buy fabric from which we know nothing besides the material composition. This is the reason why I have prescribed myself a fabric diet at the beginning of this year and now after almost 4 months, it's time to draw a first conclusion. I have to say that's been surprisingly easy so far to resist buying fabric, I don't even miss it at all. After all, I still have a lot of fabrics in my stash that I want to sew into clothing. It's even quite a challenge for myself to come up with creative solutions, when I can't find the perfect fabric in my stash for a new idea. In addition, I have found that I sew mostly solid fabrics even though I have tended to buy more patterned ones in the past. After my fabric diet, I will certainly pay more attention to buy more what I actually need. Also, I will try to mostly buy second hand fabrics, which are available at ebay & co. Another alternative are organic and fairly produced fabrics, which are mainly available as standard fabrics. I'm using almost the same attempt when it comes to shopping clothing since the beginning of the year. So far, I have only bought clothing second hand and when it comes to basics, I will buy the available organic and fairly produced alternatives.

Jetzt interessiert mich eure Meinung zum Fashion Revolution Day. Was haltet ihr davon? Regt es euch zum Umdenken an? Now, I want to know what you think about Fashion Revolution Day. Does it make you rethink your consumption?

Mehr Infos zum Fashion Revolution Day könnt ihr auf der offiziellen Seite finden. You can find more information about the Fashion Revolution Day on the official page.

Kommentare:

  1. Ich versuche meist auch Stoffe zu ergattern, von denen ich weiss wo sie herkommen.wobei das Illusion ist.wenn man bei kbc einkauft, weiss man auch nicht woher die Rohware hergestellt wird.und wie. Es ist wirklich schwierig. Ich habe wieder angefangen einzufärben, das ist gar nicht schlecht, wenn man Uni braucht, oder sonst, gerne nehme ich da auch alte Stoffe dazu, die Ich immer wieder in second -Hand Kaufhäusern finde...
    Aber es bleibt schwierig.
    Liebe Grüße
    Stella

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    1. Liebe Stella, es ist echt nicht leicht nachhaltige Stoffe zu kaufen. Bei vielen Stoffen weiß man zwar, dass sie in Europa hergestellt wurden, aber das bezieht sich ja meist nur auf das Färben oder Drucken. Second Hand ist da sicherlich die beste Lösung. Zum Glück gibt es ja auch immer Tauschtische bei Bloggertreffen, schließlich hat jeder einen Fehlkauf im Schrank, der für jemand anders perfekt ist ;)

      Liebe Grüße
      Julia

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  2. Ich finde es auch sehr wichtig, dass es diesen Tag gibt und wir wenigstens einmal im Jahr daran erinnert werden. Leider ist es gerade beim Stoffkauf recht schwierig herauszufinden, woher der Stoff kommt und unter welchen Bedingungen der hergestellt wird, da es auch die Verkäufer meistens nicht wissen. Mir fällt es da echt schwer abzuwägen... Aber mein Stofflager ist, dank 4 geschenkten Stoffkisten, nun doch mehr als voll und muss jetzt auch erstmal abgearbeitet werden. :)

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  3. Ich finde diesen Tag auch sehr wichtig um auch immer wieder an diese schlimmen Zustände zu erinnern. Mir fällt es aber auch schwer, beim Stoffkauf abzuwägen, ob das nun ein Stoff ist der unter "guten" Bedingungen hergestellt wurde. Die Verkäufer können einem da meist auch nicht helfen. Ich habe mir jetzt auch ein Stoffkaufverbot erlegt, das liegt aber vor allem am mangelnden Platz, da ich 4 Kisten Stoff von einer Freundin meiner Mutter geschenkt bekommen habe, die aufgehört hat zu nähen. Da gibt es doch einiges zu tun... :)

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    1. Liebe Pulsenote, mit 4 Kisten voller Second Hand Stoff bist du wirklich die nächste Zeit gut versorgt ;) Ich bin gespannt, was du demnächst daraus zauberst und vielleicht bekommen wir ja auch den einen oder anderen Einblick in die Kisten. Ich finde es immer sehr spannend, was andere in ihrem Stoffvorrat haben.

      Liebe Grüße
      Julia

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